Wie jeden Freitag fand auch heute wieder das wöchentliche Think Tank Meeting meines Instituts (IPEM) statt. Eingeladen war unter anderem Ben Schultz, ein PhD Student der „Marcs University of Western Sydney“, der einen Vortrag mit dem Titel „The implicit learning of metrical and non-metrical patterns: can the beat improve learning?“ hielt. Da ich heute erst etwas später zum Meeting kommen konnte, habe ich diesen Teil leider verpasst.

Der zweite Beitrag kam von Hilde D’haeyere, vom KASK Institut der „Hogeschool Gent“. Er trug den Namen: „Stopping the show: waste motions in slapstick comedy“. Hilde D’haeyere ist Fotografin und als Doktorantin und Lehrende Mitglied des KASK. Sie arbeitet als Forscherin an einem Projekt über Kinematografie und Slapstick-Komödie. Ihr Schwerpunkt liegt dabei auf den Filmproduktionen von Mack Sennett (1917-1933). Weitere, detailliertere Informationen sind hier zu finden.

Einer der Punkte, die sie an Slapstick interessieren, ist die absurde Rationalität der stilisierten, aussagekräftigen Art der Bewegung der Schauspieler einerseit, im Vergleich zum Überfluss der „überschüssigen Bewegungen“ (waste motions) der Hände und Arme andererseits. Insbesondere da zeitgleich mit der Entstehung der untersuchten Filmausschnitte, Studien über effiziente Produktionssyteme, wissenschaftliches Management und Fließbandfertigung aufkamen – Neuerungen die sich allesamt der modernsten Filmtechniken zur Visualisierung ihrer Innovationen bedienten. Gemeinsam mit einem Studenten der Filmfakultät des KASK machte sie einige Bewegungsstudien von Armen und Händen in existierenden Filmausschnitten. Im Kontext ihres eigenen Films, würde sie gerne zum Abschluss ihrer Arbeit einen Film in Gesamtlänge machen.

Alles in Allem ist Hilde D’haeyere wohl eher Künstlerin als ambitionierte Vertreterin der Wissenschaften. Ihr Projekt mag einen gewissen wissenschaftlichen Anspruch haben, wird jedoch insbesondere den universitären Kriterien an ein theoretisches Gedankengerüst nicht gerecht. Die grundlegenden Begriffe ihrer Studien, wie „Effizienz“ und die besagten „Waste Motions“ bleiben ungeklärt. Das muss nicht unbedingt etwas Schlechtes sein. Nur eben wissenschaftlich nicht von herausragender Relevanz. Als Mensch und als Vortragende, wirkte sie sehr sympathisch. Man spürte ihre stille Begeisterung für das Thema, sowie die ehrliche, unbefangene Freude an ihrer eigenen Arbeit. Der Abschlussfilm ihrer Doktorarbeit wird sicherlich etwas Besonderes.

Für uns Musikwissenschaftler kann das Thema  auch eine gewisse Relevanz aufweisen. So diskutiert mein Prof. Leman in seinem Buch „Musical gestures“ zum Beispiel die Barber-Szene aus dem bekannten Chaplin Film „The Great Dictator“. Dort sind die Bewegungen genau auf die musikalischen Vorgänge des 5. Ungarischen Tanzes von Brahms abgestimmt. Aber sehen Sie selbst, wie lustig die Verbindung von Kunst und Wissenschaft, bzw. von Slapstick und Musik sein kann.

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