Mozarts „Don Giovanni“ gehört ohne Frage zu meinen Lieblingsopern. Besonders gefällt mir die Inszenierung mit Rodney Gilfry in der Titelrolle, László Polgár als Leporello und der hervorragenden Cecilia Bartoli in der Rolle der erzürnten Donna Elvira.

In Hamburg brachte die Erfolgsautorin Doris Dörrie das beliebte Meisterwerk auf die Bühne. Anders als ihr „Così fan tutte“ unter Barenboim in Berlin ist die Hamburger Inzenierung unter der musikalischen Leitung von Simone Young äußerst umstritten. Dabei sei gesagt, dass Frau Dörrie bereits zuvor für ihren „Rigoletto“ an der Bayerischen Staatsoper schwere Kritik einstecken musste. So kürte die Zeitschrift „Operwelt“ die damalige Veranstaltung sogar zum „Ärgernis des Jahres“. Daran gemessen fielen die Kritiken für die Aufführungen an der Dammtorstraße noch recht harmlos aus.

Mir persönlich gefiel das bunte Spektakel ganz gut. In Anlehnung an das mexikanische Totenfest „Día de la Muerte“ verbildlichte Dörrie die ständige Todesangst Don Giovannis mit knalligen Farben und Kronleuchtern aus Knochen und Totenköpfen.

Für alle, die das Stück nicht kennen folgen hier ein paar Worte der Hamburger Opernintendantin Simone Young zum Inhalt:

„Beim Titelhelden handelt es sich um einen Mann, dem keine Frau widerstehen kann. Mit seinem Charakter verbinden sich Sinnlichkeit, Glanz und Tem­po. Sein enormer Mut, seine Abenteuerlust sind imponierend, und er nimmt es am Ende sogar mit dem Tod auf. Diese Geschichte verbindet Mozart mit einer Musik, die man im besten Sinn des Wortes als traumhaft schön bezeichnen kann, wobei es ihm gelingt, auch noch so manchen Ohrwurm in der Partitur zu verankern. […] Man könnte sagen, dass Drama und Musik sich gegenseitig beflügeln und vorantreiben. Ich kann mir diese Geschichte ohne Mozarts Musik schwer vorstellen. Ich mag die Bezeichnung Dramma giocoso (heiteres Drama), weil dies schon in sich einen Widerspruch trägt. Die Musik verweigert eine klare Festlegung zum Lust- oder Trauerspiel. Elemente der Seria und Buf­fa sind gleichermaßen in »Don Giovanni« enthalten, und zwar nicht abwechselnd, sondern gleichzeitig einander be­dingend und durchdringend. Vor allem die Figuren enthalten das Paradoxe, das wir in der Musik finden: Donna Anna ist eine sehr rätselhafte Figur, auf der einen Seite so leidenschaftlich, auf der anderen Seite so klassisch und kühl; Donna Elvira ist auf der einen Seite rä­chen­der Engel, auf der anderen Seite die echte Liebende in dem Stück. Zerlina ist teils unschuldiges Mädchen, teils raffinierte junge Frau und singt zusammen mit Don Giovanni eines der sinnlichsten Duette der gesamten Opernliteratur.“
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